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Alles Müll?!

Alles Müll?!

Wir verzichten bewusst auf Umverpackungen, aber irgendein Behältnis für unsere kostbaren Produkte brauchen wir schon irgendwie. Die Gretchenfrage bei Verpackungen lautet: Plastik oder kein Plastik? Wir verwenden (zurzeit) Kunststoffverpackungen. Warum? Hier erfahrt ihr es.

Warum Kunststoff?

Warum Plastik als Verpackungsmaterial inzwischen eher uncool ist, muss an dieser Stelle nicht im Detail ausgeführt werden. Die beiden Killer-Argumente dagegen: Plastik wird aus dem fossilen Rohstoff Erdöl hergestellt und baut sich biologisch verdammt schlecht ab.
Und was ist mit Plastik-Recycling? Grundsätzlich gut möglich! Leider wird es viel zu selten richtig praktiziert. Recyceltes Plastik hat bisher einen verschwindend geringen Anteil am weltweiten Plastikmarkt. Stattdessen wird Plastik nach der Benutzung oft verbrannt, 32% gelangen vollkommen unkontrolliert in die Umwelt und später im Meer. Soviel zu uncool.

Zurück zu unseren Verpackungen: Wir verzichten in unserer Naturkosmetik auf den Zusatz chemischer Konservierungsstoffe. Natürlich natürlich eben. Dadurch müssen unsere Produkte allerdings auch stärker vor Verunreinigungen durch Kontakt mit Licht, Luft und Keimen geschützt werden, um ein Mindesthaltbarkeit garantieren zu können. Vor allem bei den Cremes können – z. B. durch häufiges Reinfassen mit den Fingern – Keime in die Crememasse gelangen und diese dann kippen lassen. D.h. die Creme ist nicht mehr gut und riecht seltsam, weil die Öle ranzig geworden sind. Um dies zu verhindern, füllen wir die meisten unserer Produkte unter Vakuum in luftdichte Plastikcontainer ab.

Plastik gibt aber ein Minus auf unserem Karma-Konto. Verdammt. Um das auszugleichen, wollen wir wenigstens den Schaden so gering wie möglich halten:

Cradle-to-cradle ist toll

Also zuerst einmal verzichten wir ganz bewusst auf verkaufsfördernde Umverpackungen, wie Kartons oder Boxen. Diese würden zwar eine ideale Möglichkeit zur Kommunikation unserer Werte, Produktqualität und politischen Botschaften schaffen, aber die Müllvermeidung ist uns wichtiger. Die vorgeschriebenen Informationen für die Verbraucher quetschen wir also kunstvoll auf unsere schicken Etiketten (bei unseren Augencremes in ihren mini-kleinen Spendern ist das mitunter eine echte Herausforderung). Und bei den Etiketten geht’s dann auch schon los, die meisten Kleber basieren nämlich auf Gelatine oder Kasein. Beides sind tierische Rohstoffe, die wir als veganes Unternehmen vermeiden wollen. Wir kleben unsere Etiketten nur mit pflanzlichen Rohstoffen auf unsere veganen Produkte.

Zudem sind unsere Kunststoffflaschen und -spender aus reinem Polypropylen (PP) – pur und ungefärbt. Bei der Kunststoffauswahl haben wir uns vom cradle-to-cradle Prinzip inspirieren lassen: Die Grundidee hierbei ist, Ressourcen zu verwenden, die im Recycling-Kreislauf dauerhaft erhalten werden können. Deshalb verwenden wir Flaschen nur aus sortenreinem Kunststoff.

PP hat anderen Kunststoffen gegenüber auch noch andere Vorteile: Zum einen ist es sehr viel fester und hitzebeständiger. Außerdem ist sein Qualitätsverlust während des Wertstoffkreislaufs im Vergleich zu anderen Kunststoffen sehr gering. Auch nach mehreren „Recycling-Durchgängen“ kann Polypropylen noch verwendet werden. Zudem ist er besonders leicht, was den CO2-Verbrauch beim Transport senkt.

Bei unseren Verpackungen spielt außerdem auch eine Rolle, dass die Produkte als Duftgeber eine Mischung natürlicher ätherischer Öle enthalten. Unsere Kosmetik braucht also ein Verpackungsmaterial, das resistent gegen ätherische Öle ist und sich nicht verformt. Da haben wir bisher bei all unseren Versuchen mit PP die besten Resultate erzielt.

Wir sind zusätzlich mit dem Grünen Punkt im Dualen System zertifiziert, das heißt, wir zahlen für jedes Kilogramm Müll, das wir produzieren (Plastik, Papier und Glas) einen Betrag an einen Dienstleister, der für uns dann genau die verbrauchte Menge aus dem Abfallmarkt aufkauft und recycelt. Auf diese Art und Weise können wir zumindest sicherstellen, dass unser Müllkonto immer auf null bleibt. Immerhin.

Da geht natürlich noch mehr: Der komplette Verzicht auf Erdöl zum Beispiel – unser erklärtes Langzeitziel. Aber was wäre die Alternative?

Erste Alternative: Glas

Pro: Glas lässt sich gründlicher recyceln als Plastik, verbraucht kaum Erdöl und verschmutzt bei unsachgemäßer Entsorgung unsere Umwelt nur optisch.

Kontra: Glas ist immer noch der Verpackungs-Werkstoff mit dem höchsten Energiebedarf in der Herstellung. Dies liegt zum einen daran, dass die Schmelztemperatur von Glas bei über 1000 °C liegt und entsprechend viel Energie für die Verarbeitung benötigt wird. Entsprechend hoch ist der Ausstoß an CO2. Außerdem ist Glas mit einer Dichte von 2,5 bis 6,3 g/cm³ sehr schwer – nicht nur die Herstellung, auch der Transport von Glasverpackungen verbraucht sehr viel Energie.

Ein weiteres Argument gegen Glas ist die Sicherheit: Glasflaschen im Bad und insbesondere im Nassbereich können schnell herunterfallen und durch Glasscherben zu Verletzungen führen.

Und last but not least sind Glaseinwegflaschen wesentlich teurer und unsere fairen Bio- Inhaltsstoffe sind schon teuer genug.

Zweite Alternative: Flaschen aus biologisch abbaubarem Kunststoffen

Da gibt es einige sehr vielversprechende Ansätze. Zum Beispiel PLA (Polymilchsäure) oder Produkte aus Cellulose. Diese Biokunststoffe werden entweder aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt, sind komplett biologisch abbaubar oder beides. Klingt erstmal fabelhaft. Allerdings gibt es auch hier einige unschöne Details: Biologisch abbaubar bedeutet in der Regel nicht, dass man die Flasche auf den Kompost werfen darf. Die vollständige Abbaubarkeit innerhalb weniger Wochen ist nämlich nur unter industriellen Bedingungen gewährleistet. Die kommunale Müllabfuhr sortiert die Flaschen aber oft als vermeintliches Plastik wieder aus dem Kompost heraus und verbrennt es.

Ein weiteres Problem stellen die Rohstoffe dar, aus denen die Verpackungen hergestellt werden. Das ist in der Regel Mais oder Zuckerrohr, die in riesigen Monokulturen, gerne auch auf Kosten von Urwaldrodungen, angebaut werden und lokale Ökosysteme zerstören.

Außerdem haben sich die von uns getesteten biologisch abbaubaren Verpackungen in unseren Versuchen teilweise verformt, dank unserer natürlichen ätherischen Öle (s. o.).

Dritte Alternative: Unverpackt

Also, vollkommen unverpackt geht ja nicht. Aber die Abfüllung in große Gebinde zur Selbstabfüllung, das geht. Und das machen wir auch bereits. Allerdings im Moment nur für den Hotelbereich. Doch dazu mehr demnächst in unserem Shop und auf in diesem Blog! To be continued =)

So. Wie geht es also jetzt erstmal für uns weiter? Wir sind ständig auf der Suche nach neuen praktikablen und auch erschwinglichen Alternativen – weg vom Erdöl, hin zur bestmöglichen Umweltverträglichkeit. Zero waste is the limit. Für die Tiegel untersuchen wir gerade die Produkte von Sulapac, die komplett biologisch abbaubare Tiegel aus Holz-Kunststoff anbieten. Auch eine tolle Lösung wäre z.B. ein Pfandsystem für Kosmetikprodukte, das ist allerdings als einzelner kleiner Hersteller wirklich schwer zu realisieren.

Habt ihr mehr gute Ideen zum Thema? Immer her damit!

 

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